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§175: Gottesdienst anlässlich der Rehabilitierung von Pfarrer Friedrich Klein

SEP
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§175: Gottesdienst anlässlich der Rehabilitierung von Pfarrer Friedrich Klein


Datum Dienstag, 1. September 2020, 19:30 - 20:30 Uhr
Standort Immanuelkirchstraße 1A, 10405 Berlin
Mitwirkende
Bischof Christian Stäblein, Pfarrerin Silke Radosh-Hinder, Pfarrer Mark Pockrandt u. d.
§175: Gottesdienst anlässlich der Rehabilitierung von Pfarrer Friedrich Klein

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte rehabilitiert die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) einen Pfarrer, der von der NS-Justiz wegen des sogenannten Homosexuellen-Paragraphen §175 verurteilt und anschließend aus dem Dienst der Kirche entfernt wurde. In einem Beschluss der Kirchenleitung heißt es dazu: „Der Entzug der Ordinationsrechte von Pfarrer Friedrich Klein am 20.01.1943 durch das Konsistorium wird als Unrecht anerkannt und für nichtig erklärt.“

Aus diesem Anlass predigt Bischof Christian Stäblein bei einem Gedenkgottesdienst in der Evangelischen Kirchengemeinde Immanuel in Berlin Prenzlauer Berg. Bei dem Gottesdienst  wird die Rehabilitierung von Pfarrer Friedrich Klein (1905–1945) öffentlich erklärt. Pfarrer Klein war nach Verurteilung durch die Nazi-Justiz auf Basis des §175 von der damaligen Kirchenleitung aus seinem Dienst als Pfarrer entlassen worden.

„Durch diese Unrechtbehandlung ist viel Leid über Menschen gekommen, die anders lebten und liebten und die auf schreckliche Weise diskriminiert wurden“, sagt Bischof Christian Stäblein. „Die heutige Kirchenleitung der EKBO hat dieses Unrecht anerkannt und die Entlassung von Pfarrer Friedrich Klein für nichtig erklärt. Mit dem Gottesdienst wollen wir deutlich machen, dass vielen Menschen – auch im Namen der Kirche – schweres Unrecht widerfahren ist. Für diese Schuld stehen wir heute ein.“

Teilnahme am Gottesdienst nur nach Anmeldung:gemeindeleitung@immanuelgemeinde.de

Hintergrundinformationen:
Pfarrer Friedrich Klein wurde im Jahr 1942 vom Reichskriegsgericht wegen – wie es hieß - „Verführung eines 19 Jahre alten Mannes zu widernatürlicher Unzucht“ zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Sein Dienstherr, das Konsistorium der Mark Brandenburg, entließ ihn daraufhin unter Verlust der geistlichen Rechte und Bezüge aus dem kirchlichen Dienst. Zu Kleins weiterem Schicksal wird derzeit geforscht.

In der EKBO soll eine Arbeitsgruppe zur Aufarbeitung von Fällen eingesetzt werden, bei denen Pfarrpersonen oder andere in der Kirche Beschäftigte aufgrund ihrer sexuellen Identität während des Nationalsozialismus und bis heute durch die Kirche diskriminiert wurden.

Vor 85 Jahren, am 1. September 1935, verschärften die Nationalsozialisten den Paragraph 175, der einvernehmlich sexuelle Handlungen unter erwachsenen Männern im Deutschen Reich seit 1871 unter Strafe stellte. Unter anderem wurde die Höchststrafe von sechs Monaten auf fünf Jahre Gefängnis angehoben. Etwa 50.000 Männer wurden während der NS- Zeit wegen „widernatürlicher Unzucht“ verurteilt, ebenso viele dann in der Bundesrepublik Deutschland, die die verschärfte Fassung des § 175 1949 unrevidiert in ihr Strafrecht übernahm. Erst Ende der 60er Jahre wurde der Paragraph gelockert und 1994 ganz gestrichen. Die DDR war nach dem Krieg zur ursprünglichen Fassung des Paragraphen – jetzt § 151 – zurückgekehrt, milderte diesen in den 50er Jahren ab und strich ihn 1989 ganz aus ihrem Strafgesetzbuch.