Berlin braucht Notübernachtungen für Familien

Berlin braucht Notübernachtungen für Familien


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Veröffentlicht am Dienstag, 21. Januar 2020, 09:25 Uhr
© zettberlin / photocase.de

Berlin will Ende 2021 bis zu 100 spezialisierte Notübernachtungsplätze für wohnungslose Familien anbieten. Das kündigte Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) am Montag beim Besuch einer Einrichtung des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks (EJF) an. Zugleich sollen nach Breitenbachs Worten die Mindeststandards von allgemeinen Notübernachtungen für Wohnungslose, deren Mehrzahl von Männern genutzt wird, angehoben werden. Dies würde spezielle Angebote für besonders Schutzbedürftige, wie etwa Kinder, dann langfristig überflüssig machen.

Wohnungslose Familien benötigten einen Schutzraum, den normale Notunterkünfte bislang nicht bieten, sagte Breitenbach. Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) kündigte an, dass bei Zwangsräumungen von Wohnungen, sollten Familien betroffen sein, künftig das Jugendamt eingeschaltet werden muss. Eine entsprechende Ausführungsvorschrift für die Verwaltung solle zum 1. April in Kraft treten.

Insgesamt gibt es in Berlin den Angaben zufolge bislang 74 Notübernachtungsplätze für Familien und schwangere Frauen. Davon befinden sich 44 in der seit Mai 2019 geöffneten EJF-Einrichtung in Berlin-Heiligensee und seit 2017 weitere 30 Plätze in einer Notübernachtung des Diakonischen Werkes Berlin-Stadtmitte in der Kreuzberger Wrangelstraße. Bis zum Ende der Legislaturperiode voraussichtlich 2021 sollen es 100 Notübernachtungsplätze für Familien sein, sagte Breitenbach.

Für beide Einrichtungen zusammen stellt die Senatssozialverwaltung pro Jahr 1,6 Millionen Euro zur Verfügung. Weitere 57.000 Euro je Einrichtung kommen von der Senatsjugendverwaltung. Die Familien erhalten in den beiden Notübernachtungen eine besondere Beratung. Ziel ist es, insbesondere die Kinder schützen, betonte Scheeres.

Über die Anzahl der Obdachlosen und Wohnungslosen in Berlin gibt es nur Schätzungen. In einer "Nacht der Solidarität" vom 29. zum 30. Januar soll eine stadtweite Zählung mehr Informationen über Obdachlose bringen. Es wird mit mehreren Tausend gerechnet. Ende 2018 wurden laut Breitenbach von den Bezirken zudem rund 36.000 Wohnungslose in Notquartieren untergebracht.

In der Einrichtung des EJF wurden in den vergangenen neun Monaten knapp 100 Familien, insgesamt 342 Personen, aufgenommen. Darunter waren mehr als die Hälfte Kinder (180). Rund 50 Prozent der Familien waren alleinerziehende Mütter mit Kindern, wie der EJF-Vorstandsvorsitzende Andreas Eckhoff sagte.

In der Regel sollen sie nicht länger als drei Wochen in den für Familien eingerichteten kleinen Appartements verbringen. In dieser Zeit erhielten die Betroffenen eine umfassende Beratung und Begleitung mit dem Ziel, sie in andere Wohnungen dauerhaft zu vermitteln, hieß es. Dabei werde versucht, die Kinder weiterhin ihre angestammte Kita oder Schule besuchen zu lassen. (epd)