Gottesdienste in der Turrell-Kapelle

Gottesdienste in der Turrell-Kapelle


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Veröffentlicht am Dienstag, 21. Januar 2020, 11:25 Uhr
© ©Juliane Bluhm

Weil die Französische Friedrichstadtkirche auf dem Gendarmenmarkt wegen Umbaus für längere Zeit geschlossen ist, feiert die Kirchengemeinde Gottesdienst in der sogenannten Turrell-Kapelle auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof. 
Doch das heißt nicht, dass die Nutzung der Turrell-Kapelle nur eine Notlösung ist – es ist ein guter Ort. Auf diesem Friedhof liegen viele Dichter und Denker. Das ist eine anregende Umgebung für Gottesdienste, im Gespräch mit kritischen, auch religions- und ideologiekritischen Autoren der Vergangenheit und Gegenwart. Nicht nur Büchermenschen sind da begraben – und zwischen ihnen der gelernte Buchhändler und bibelfeste evangelische Christ Johannes Rau –, auch Wissenschaftler, Baumeister, Theaterleute, auch einige der nach dem 20. Juli 1944 hingerichteten Widerstandskämpfer. Wer auf diesem Friedhof spazieren geht, bekommt viel Stoff zum Denken und Erinnern. Neben der Kapelle ist das schöne Café Ca´Doro. Seine Betreiberin hat sich dazu bereiterklärt, künftig sonntags bereits um 11 Uhr zu öffnen, so dass man dort direkt nach dem Gottesdienst einen Kaffee trinken kann. Da gibt es viele Bücher der hier Beerdigten, alle gespendet.

Doch unter den kirchlichen Friedhöfen ist der Dorotheenstädtische der jüdischste: Anna Seghers, Lin Jaldati. Helene Weigel, Hanns Eisler, Hans Mayer, Thomas Brasch, Stephan Hermlin, Jürgen Kuczynski, Arnold Zweig, Arnolt Bronnen, Herbert Marcuse u.a. – viele der nichtgläubigen Juden ließen sich dort begraben, nicht in Weißensee. Auch das ist eine gute Umgebung für unsere Gottesdienste; unsere Kirche hat sich in ihrer Grundordnung zur „Anteilnahme am Weg des jüdischen Volkes“ verpflichtet, also nicht nur am Weg der Menschen jüdischen Glaubens.